Am Anfang war der Blues
Es war in den frühen Achzigern des vorigen Jahrhunderts, als ein junger Kunststudent ganz heftig mit dem Bluesvirus angesteckt wurde.
Auf Empfehlung eines Kommilitonen besuchte er ein Louisiana Red (mehr…) Konzert im Laboratorium in Stuttgart.
Musikalisch bisher eher an Hardrock von AC/DC oder Whitesnake interessiert, faszinierte ihn die urwüchsige Art Gitarre zu spielen. Wer schon mal ein Konzert mit Louisiana Red erlebt hat, weiß was gemeint ist.
Noch an diesem Abend erstand er seine allererste Bluesplatte. Natürlich von Louisiana Red.
An das Gitarrespielen dachte er zu dieser Zeit noch nicht. Aber schon bald danach wurde die erste Mundharmonika gekauft und exzessiv geübt.
Kurze Zeit später gab es die erste Band – Jonny Reagan and the City Sunshine Band. Gitarre, Gesang und Mundharmonika. Gespielt wurde Covers von Supertramp und Bob Marley.
Nun war das nicht gerade die Musik, die unseren jungen Kunststudenten an jenem Abend im Lab fasziniert hatte und die er auf den ganzen Platten seiner stetig wachsenden Bluessammlung rauf und runter hörte.
Eine auf dem Flohmarkt für 15 DM erstandene Gitarre war der Startschuss für die nun folgende "Musikerkarriere".
Bald merkte er, daß mit den normalen Gitarrengriffen kein wirklicher Blues zustande kam und Slidegitarre fast unmöglich war.
So beschäftigte er sich schnell mit offenen Stimmungen (mehr…) und entschied sich bald für eine Open-E Stimmung. Bis heute ist er der Open-E Stimmung treu geblieben.
Sein erstes Slide war ein abgebrochener Flaschenhals einer leeren Asti Cinzano Flasche, das ihn jahrelang begleitete.
Mit dem Büchlein "1000 Tipps für Gitarre" aus dem Voggenreiter Verlag und seinen Gitarrenhelden auf Platte als Lehrer wurde eifrig geübt.
Die als Kind genossene Blockflötenschule half ihm Akkorde, Griffe und Läufe auf der offenen Stimmung seiner Gitarre zu finden. Griffetabellen für offene Stimmungen gab es zu der damaligen Zeit noch nicht.
So wurden dann die ersten Bluessongs geschrieben. Nervous Joe war geboren.
Und als Nervous Joe spielte er dann auch einige Jahre den Blues.
Rock, Progressivrock und Krautrock
Man war jung und wollte den Rock 'n' Roll Traum leben.
So entstand eine neue Band, mit dem Bluesonkel an der Gitarre, die sich stilistisch irgendwo zwischen Rock und Hardrock bewegte. Zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug und Gesang.
Atillas Daughter – benannt nach dem Vater der Sängerin.
Die Songs wurden selbst geschrieben, ein Demoband aufgenommen und einige Konzerte gespielt. Ein Auftritt bei der Owener Rocknacht war wahrscheinlich das herausragendste Ereignis.
Mit am Start Schlagzeuger Oliver "Soif" Schaber und Gitarrist Olaf Becker, mit denen der Bluesonkel immernoch freundschaftlich verbunden ist und die auch immer wieder seinen musikalischen Weg kreuz(t)en oder ihn ein Stück darauf begleit(et)en.
Nach Atillas Daughter fand sich 1992 eine neue Band zusammen. Fern, Seed and Elephants, benannt nach einer Vorlesung von C. S. Lewis.
In der klassischen Triobesetzung – Gitarre, Baß, Schlagzeug plus Gesang – wurde Progressiv Rock / Progressiv Metal ala Kings X (mehr…) oder Galactic Cowboys (mehr…) zum besten gegeben. Natürlich waren die Songs wieder aus eigener Feder.
Mit dabei wieder Oliver Schaber am Schlagzeug und Rolf Hartnagel am Bass. Die Gitarre steuerte der Bluesonkel dazu.
Rolf wurde dem Bluesonkel zum langjährigen musikalischen Begleiter und Freund. Und er übernahm auch noch den Job des Trauzeugen, als der Bluesonkel den Bund der Ehe einging.
Fern, Seed and Elephants spielten bei einem Festival der Esslinger Musikerinitiative, bei dem ein Demoband und ein Video aufgenommen wurde.
Die Band tourte in Weißrussland und spielte dort drei Konzerte.
Nachdem zwei Sänger verschlissen waren und man sich über den weiteren musikalischen Weg nicht einig werden konnte, löste sich die Band 1996 auf.
Da aber noch ein Konzert mit Fern, Seed and Elephants bei der Schools Out Party des Stadtjugendrings offen war und der verantwortliche Jugendreferent auf den Auftritt bestand, musste eine neue Band her.
Mit Rolf Hartnagel am Bass, Kai B. am Schlagzeug und dem Bluesonkel an der Gitarre und Gesang wurden kurzfristig neue Songs einstudiert und das noch ausstehende Konzert gut über die Bühne gebracht.
Man beschloss zusammen zu bleiben und firmierte unter dem Namen Hartnagel.
Musikalisch bewegte man sich zwischen 70er Rock und Krautrock, mit progressiven Anteilen und viel Platz für lange Soli. Gesungen wurde auf Deutsch.
Im Sommer 1997 übernahm dann Cristine "Chrissi" Maaß den Gesang.
Unvergessen die Probe als Chrissi bei einem ihrer Ansicht nach zu langem Solosessionteil gelangweilt anfing den Proberaum zu fegen.
1998 ging die Band dann ins Studio und nahm die EP Bergwesen auf.
Als Chrissi die Band wegen ihres Studiums verließ, übernahm Claudia Messerschmidt (Bandfoto) den Platz der Sängerin.
Hartnagel löste sich im Jahr 2001 auf.
Lobpreis und Worship
Schon seit der Zeit von Atillas Daughter spielt der Bluesonkel in verschiedensten Formationen bei Jugendgottesdiensten, den Gottesdiensten der einANDERERgottesdienst Serie, sowie dem St. Josefs Chörli.
Eine Erfahrung für die er sehr dankbar ist.
Einerseits, weil es schön ist seinen Glauben nochmals in einer anderen Weise auszudrücken und mit zeitgenössischer Musik (und der Bluesonkel kann seine E Gitarre ganz schön krachen lassen) zu einem modernen Gottesdienst beizutragen.
Andererseits bietet es auch die Möglichkeit, Monat für Monat und das über Jahre und Jahrzehnte hinweg, mit einer Band vor Publikum zu spielen. Auch dann, wenn es mal keine eigenen Bandprojekte gibt.
Auch wenn ein Gottesdienst kein Konzert ist und Gemeindemitglieder kein Konzertpublikum im klassischen Sinne – der Nervositätslevel ist doch sehr ähnlich und der Aufwand für Probe, Aufbau und Soundcheck jedes Mal einem Clubkonzert ebenbürtig.
Auch bieten die Gottesdienste die Möglichkeit verschiedene Stile und Arrangements auszuprobieren.
Ein reicher Erfahrungsschatz, der dem Bluesonkel bei seinen Konzerten und anderen musikalischen Projekten zugute kam und immernoch zugute kommt.
Und dann wieder der Blues
Dem aufmerksamen Leser wird es aufgefallen sein. Über Jahre (eigentlich Jahrzehnte) hinweg war der Blues im musikalischen Leben des Bluesonkels verschollen.
Das einzige aus seiner Blueszeit was blieb, war die Open-E Stimmung seiner Gitarre.
Nach dem Ende von Hartnagel wurde es musikalisch ruhig um den Bluesonkel.
Seine Freizeit bestritt er mit Programmieren und hätte es den Einsatz bei den vorher beschrieben Gottesdiensten nicht gegeben, hätte er wahrscheinlich das Gitarrespielen gänzlich verlernt.
Doch zwei Ereignisse sollten den Bluesonkel wieder auf den Pfad der Tugend und zu seinen musikalischen Wurzeln zurück führen.
Beruflich zog es den Bluesonkel in die EDV-Administration. Programmieren und Computer gehörten jetzt zu seinem beruflichen Tagesgeschäft. Und er hatte absolut keine Lust und auch keine Energie mehr, sich auch noch in seiner Freizeit damit zu beschäftigen. Und so war wieder genug Freiraum sich musikalisch zu betätigen und Songs zu schreiben.
Aber das wichtigere Ereignis war ein Konzertmitschnitt des Rockpalastes der Band Baskery (mehr…), in den er zufällig eines Abends hineinzappte.
Die drei Schwestern spielten handgemachte Folk- und Bluesmusik, mit Slideguitar vom feinsten. Und der Bluesonkel fühlte sich in seine Jugend zurück versetzt.
Eine neue Gitarre wurde gekauft, die alten Fingerpicks und das Bottleneck nebst Bluesharps ausgepackt und munter darauf losgejammt.
Sein erster Blues in seinem wieder entdeckten Blueserleben war der "Schulanfängerblues" für den Neffen von Tante Blues.
Als Geschenk zum Schulanfang auf CD aufgenommen, fehlte nur noch ein Name – Bluesonkel / Uncle Blues.
Daraus wurde Der Bluesonkel.
Und unter diesem Namen spielt der Bluesonkel seit 2014 den Blues auf seine ganz eigene Art und Weise.
Urwüchsig, ehrlich, direkt und schwäbisch.
Der Bluesonkel – Bluesiges aus dem Südwesten.
(Aus Datenschutzgründen wurden nur die Menschen namentlich genannt, die um Erlaubnis gefragt werden konnten. Zu vielen Wegbegleitern hat der Bluesonkel leider den Kontakt verloren. Er schaut aber dankbar auf die gemeinsame Zeit zurück und grüßt alle ganz herzlich.
'Keep on Rockin!')
